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Bezahlbarer Wohnraum, neue Formen des Zusammenlebens und europäische Zusammenarbeit. Beim Europaseminar in Wien sammelte Gemeinderat Bernhard Lachmann (FW) Anregungen für die kommunale Arbeit. Besonders beeindruckten die Wohnmodelle der Seestadt Aspern und die Begegnungen mit österreichischen Europagemeinderäten.
Vom 19. bis 23. September 2026 besuchten 19 Stadt- und Gemeinderäte aus Bayern im Rahmen eines Seminars der Europäischen Akademie Bayern politische Institutionen, innovative Wohnbauprojekte und internationale Organisationen in Wien. Im Mittelpunkt standen kommunale Herausforderungen, unterschiedliche Lösungsansätze und die europäische Vernetzung.
Seestadt Aspern: Gemeinsam bauen, günstiger wohnen
Wie bezahlbarer Wohnraum entstehen kann, zeigte der Besuch der Seestadt Aspern, eines der größten europäischen Stadtentwicklungsprojekte. Wien setzt dort auf geförderten Wohnbau, Bauträgerwettbewerbe und gemeinschaftliche Wohnformen.
Besonders interessant sind genossenschaftliche Wohnmodelle und sogenannte Baugruppen. Dabei schließen sich Menschen zusammen, um Wohnhäuser gemeinsam zu planen und zu gestalten. Gemeinschaftsküchen, Terrassen und Begegnungsräume werden gemeinschaftlich genutzt. Das kann Ressourcen und Kosten sparen, fördert die Nachbarschaft und stärkt die gegenseitige Verantwortung.
Auch bei der Finanzierung geht Wien eigene Wege. Öffentliche Förderungen, zinsgünstige Darlehen und die Vergabe von Grundstücken im Baurecht unterstützen bezahlbaren Wohnraum. Bei Bauträgerwettbewerben zählen neben den Baukosten auch Architektur, Nachhaltigkeit und soziale Konzepte. Bei einem frühen Wettbewerb waren beispielsweise Bruttomieten von höchstens 7,50 Euro pro Quadratmeter vorgesehen.
Dass nachhaltiges Bauen und moderne Architektur zusammenpassen, zeigen das Holzhochhaus „HoHo Wien“ sowie Gebäude mit Erdwärme, Photovoltaik, baulichem Sonnenschutz und intelligenter Energiesteuerung.
Europäische Zusammenarbeit im Bundeskanzleramt
Ein Höhepunkt der Reise war der Empfang im österreichischen Bundeskanzleramt und der Austausch mit den österreichischen Europagemeinderätinnen und Europagemeinderäten.
Ein herzlicher Dank gilt Europaministerin Claudia Bauer (ÖVP) für den Empfang der bayerischen Gemeinderäte.
Österreich verfügt mit der Initiative „Europa fängt in der Gemeinde an“ über ein Netzwerk, das Kommunalpolitiker bei europäischen Themen unterstützt und miteinander verbindet.
Beim gemeinsamen Austausch wurden konkrete Ideen vorgestellt: Europafeste, Informationsveranstaltungen mit Vertretern europäischer Institutionen, Städtepartnerschaften und internationale Kooperationen. Die Marktgemeinde Pfaffstätten etwa hat mit einer EU-Charta ein ausdrückliches Bekenntnis zur europäischen Zusammenarbeit abgegeben.
Besonders bereichernd waren die Gespräche mit Gemeinderätinnen und Gemeinderäten, unter anderem aus Kreuzstetten im Weinviertel und dem Wiener Bezirk Währing. Sie zeigten, wie ähnlich viele kommunale Herausforderungen sind und wie wertvoll der Austausch über Landesgrenzen hinweg sein kann.
Ein besonderer Dank gilt den österreichischen Europagemeinderäten für die herzliche Begegnung, den offenen Austausch und die neuen persönlichen Kontakte. Die entstandene Vernetzung soll auch über das Seminar hinaus fortgesetzt werden.
Einblicke in Politik und internationale Zusammenarbeit
Neben einer politisch-historischen Stadtführung standen Besuche im österreichischen Parlament und im Wiener Rathaus auf dem Programm.
Im Nationalrat erhielten die Teilnehmer Einblicke in die österreichische Gesetzgebung und parlamentarische Arbeit. Eine besondere Erfahrung erwartete die bayerischen Gäste im Wiener Rathaus. Die Mitglieder des Wiener Gemeinderats begrüßten die Delegation aus Bayern und spendeten Applaus. Eine herzliche Geste der Wertschätzung, die bei den Besuchern einen bleibenden Eindruck hinterließ.
Wien nimmt auch politisch eine besondere Stellung ein. Die Stadt ist gleichzeitig Gemeinde und Bundesland. Der Gemeinderat übernimmt deshalb zugleich die Aufgaben des Landtags.
Den Abschluss bildete der Besuch der UNO-City. Wien ist neben New York, Genf und Nairobi einer der vier Amtssitze der Vereinten Nationen. Die Führung vermittelte Einblicke in internationale Zusammenarbeit, Friedenssicherung und die Arbeit verschiedener UNO-Organisationen.
Neue Wege für Petershausen: Wohnbau neu denken und Europa stärken
Für Gemeinderat Bernhard Lachmann steht nach der Reise fest, dass Petershausen den Blick stärker über die eigenen Gemeinde- und Landesgrenzen richten sollte, wie etwa beim beim Wohnungsbau und Ausweisung neuer Bauflächen.
Die bisher bekannten Baulandmodelle und insbesondere klassische Einheimischenmodelle gehören aus seiner Sicht auf den Prüfstand. Die vergünstigte Vergabe von Baugrundstücken für einzelne Eigenheime allein ist angesichts hoher Baukosten, knapper Flächen und des Bedarfs an bezahlbaren Mietwohnungen keine zeitgemäße Antwort mehr. Schließlich profitieren davon vor allem Menschen, die sich den Bau eines eigenen Hauses überhaupt leisten können.
Die Wiener Modelle zeigen, dass es auch anders geht. Genossenschaftlicher Wohnbau und gemeinschaftlich organisierte Baugruppen ermöglichen es, Grundstücke effizienter zu nutzen, Kosten und Ressourcen zu teilen und Wohnraum nach den tatsächlichen Bedürfnissen der Menschen zu gestalten. Gemeinsame Einrichtungen reduzieren den individuellen Flächenbedarf und können Anschaffungs- und Betriebskosten senken. Gleichzeitig entstehen Nachbarschaften, in denen gegenseitige Unterstützung, Mitbestimmung und soziale Verantwortung bewusst gefördert werden.
Für Petershausen bedeutet das, den bisherigen Ansatz der Baulandentwicklung weiterzudenken. Statt hauptsächlich einzelne Baugrundstücke zu vergeben, sollten künftig auch gemeinschaftliche Wohnprojekte, Genossenschaften und die Vergabe gemeindlicher Grundstücke im Erbbaurecht ernsthaft geprüft werden. Entscheidend ist, dauerhaft bezahlbaren Wohnraum zu schaffen und gleichzeitig mit Grund und Boden verantwortungsvoll umzugehen.
Nicht jedes Wiener Modell lässt sich eins zu eins auf Petershausen übertragen. Aber erfolgreiche Lösungen sollten wir prüfen, statt ausschließlich an bisherigen Konzepten festzuhalten.
Auch europäisch sollte Petershausen aktiver werden. Die bestehende Städtepartnerschaft mit Varennes bietet eine Grundlage, auf der sich aufbauen lässt. Weitere Partnerschaften, internationale Kooperationen und gemeinsame Veranstaltungen könnten Europa für die Bürgerinnen und Bürger unmittelbar erlebbar machen.
Die Freien Wähler Petershausen möchten diese Anregungen aufgreifen und sich für eine offene, bürgernahe und zukunftsorientierte Gemeindeentwicklung einsetzen.
Europa beginnt nicht erst in Brüssel, Straßburg oder Wien, sondern vor allem auch bei uns in Petershausen.
Ein Dank gilt abschließend der Europäischen Akademie Bayern und Seminarleiter Jochen Zellner für die Organisation und Begleitung der Reise.
Bernhard Lachmann
Gemeinderat Petershausen